TIMO SEBER – TOTO

5 September – 2 November 2013

“Africa” ist wahrscheinlich das bekannteste Stück der amerikanischen Rockband Toto. David Paich, der Keyboarder der Band, aus dessen Feder der Nummer 1 Hit von 1983 stammt, hatte den Kontinent zuvor noch nie bereist. Seine Inspiration für den Text erhielt er aus Artikeln aus dem National Geographic, aus Nachrichtenbeiträgen und Reiseberichten. Das Stück handelt nicht nur von einer Liebesgeschichte, sondern ist vor allem getragen von einer romantisch-naiven Sehnsucht nach dem Unbekannten und dem Versuch, sich diesem anzunähern.

Das Stichwort “Africa”, welches Timo Seber mit dem Verweis auf die Band Toto und ihren größten Hit liefert, gibt Hinweise auf die verschiedenen Erzählebenen der Ausstellung: Es geht um Pop-Kultur, Kolonialismus, bildwissenschaftliche Diskurse und die Funktion des Künstlers.

Fotos, die Timo Seber mit dem iPhone in New York und Chicago aufgenommen hat – Schnappschüsse von Sehenswürdigkeiten, die man nach der Reise zu Hause zeigt oder auf Facebook postet, werden für die Ausstellung vergrößert und auf transparente Folien aufgezogen. Das Motiv wird grobkörnig, wie ein Raster, und die fotografierte Architektur überlagert sich mit der Architektur des Ausstellungsraums. Die Folien – teilweise von Schutznetzen verhüllt, wie sie benutzt werden, um Tauben von Monumenten freizuhalten – verweisen auf ein zwiespältiges Verhältnis zwischen Schutz und Dominanz.

Was passiert mit Bildern und Objekten, wenn wir sie zu Kulturgütern erklären? Ab wann muss man sie vor ihren eigenen Bedingungen schützen und wie verändern sie sich dabei?

Die Skulpturen greifen den Gedanken auf uns spinnen ihn weiter: Tische mit textilen Weltkarten bespannt, werden zu Spielfeldern, die Welt damit zu einem Bild, das wir auf einen Blick erfassen können. Durch die Wiederholung des Motivs entstehen neue Relationen und Perspektiven. Die auf den Tischen gestapelten Bücher (So sahen sie uns, Cottie A. Borland / Werner Forman, 1968) zeigen Bilder, die Einwohner ehemaliger europäischer Kolonien von den weißen Invasoren machten. Für diese hat Seber neue Umschläge gestaltet, die verschiedene “Freundschafts- und Schutzverträge” zeigen, die Deutschland mit seinen Kolonien abgeschlossen hat. Auch hier der Verweis auf eine Form von Dominanz, die unter dem Deckmantel eines Schutzversprechens steht.

Die Überlagerung verschiedener Handlungsstränge ist charakteristisch für Timo Sebers Arbeit. Ebenso der Bezug zu seiner eigenen Geschichte und seinem künstlerischen Schaffen, sowie die Wiederholung von Motiven: Der Schirm, das ursprüngliche Herrscher Signet, findet sich ebenso wieder, wie die ironische Beschäftigung mit Popkultur – in diesem Fall der Band Toto.

Timo Seber, geboren 1984 in Köln, studierte an der Kunsthochschule für Medien in Köln bei Marcel Odenbach und Johannes Wohnseifer. 2012 erhielt er das Peter-Mertes-Stipendium des Bonner Kunstvereins. Die damit verbundene Einzelausstellung im Bonner Kunstverein wird am 08. September eröffnet. Timo Seber lebt und arbeitet in Berlin.