LUKAS MARXT

Captive Horizon

6 November 2014 – 24 January 2015

Finissage: Friday, 23 January, 7 – 9 pm

Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose

Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Cologne, 2014, photography: Dirk Rose

LUKAS MARXT
Captive Horizon

(please scroll down for english version)

Seit jeher ist der Mensch von einem Entdeckergeist getrieben. Nach der Eroberung des Unbekannten manifestiert sich im Kartierungsbestreben das menschliche Bedürfnis, die neu entdeckte Landmasse in erfassbare Einheiten zu portionieren und so begreifbar zu machen. Die Möglichkeiten, das Gelände darzustellen, sind vielfältig: Karten, Grundrisse, Skizzen… Jede Art der Abbildung jedoch, setzt den Betrachter voraus, was zur Folge hat, dass die Darstellung nicht sachlich bleiben kann. Die Entwicklung von neuen Messinstrumenten machte die Kartierung der uns umgebenden Welt zwar detaillierter, aber nur vermeintlich objektiver. Auch heute – während uns Satellitenbilder durch die Straßen navigieren – gibt die englische Maßeinheit „foot“ Hinweise darauf, dass einmal der menschliche Körper selbst das Maß für seine Umwelt war.

In seiner durch Land Art beeinflusste Arbeit setzt sich Lukas Marxt mit der Erfahrung von Umwelt auseinander und richtet seine Aufmerksamkeit auf Landschaften, die er mit der Kamera dokumentiert. Die Erfahrung und Abbildung von Landschaft beschränkt sich jedoch nicht auf ästhetische Kategorien oder ein bildhaftes Genre, sondern behandelt den symbolischen Gehalt von Landschaft als menschlichem Lebensraum. Obwohl die gefilmten Landschaften meist menschenleer bleiben, häufig unwirtlich sind, und auch der Betrachterstandpunkt und die Distanz zum Gefilmten nicht klar erkennbar werden, bildet doch der Mensch den Fixpunkt, der unmittelbar mit dem Gezeigten in Beziehung tritt.

Den Ausgangspunkt seiner Ausstellung Captive Horizon bildet ein Buch, das 2013 fertig gestellt wurde und die Erzählungen eines zurückgezogen auf der Insel Lanzarote lebenden Einzelgängers wiedergibt. Der Erzähler ist in verschiedenen Welten und verschiedenen Zeiten zu Hause, die unserer Umwelt in ihrer Struktur gleichen und dennoch wie Science Fiction klingen. „Das was man sieht, ist nicht reales Leben“ sagt er an einer Stelle. Die Aussage bildet einen Kontrapunkt zu Marxts Arbeiten.

Die Video-Arbeit Captive Horizon zeigt verschiedene Szenen eines Fluges über die rauhe Landschaft der Insel. Es ist eine Drohne, die die Kamera trägt. Ähnlich der ersten Versuche von George Lawrence, der zu Anfang des letzten Jahrhunderts mit Hilfe einer an einen Drachen montierten Kamera Luftaufnahmen machte, versucht Marxt aus der Vogelperspektive umfassendere Bilder der Landschaft zu gewinnen. Doch die unklare Betrachterposition verweigert es dem Besucher, das Bild aufzulösen. Ohne den Menschen – im Bild und als Betrachter des Gezeigten – bleiben die Bilder abstrakt. Wird eine Landschaft doch erst dadurch real, dass wir uns in ihr bewegen? In einem buchstäblichen Akt des „Begreifen-Wollens” nimmt Marxt Frottagen vom steinigen Boden ab. Als Skulpturen im Raum stehend, manifestiert sich in ihnen die Unmöglichkeit einer unmittelbaren Erfahrung.

Lukas Marxt, (1983 in Schladming), studierte an der Kunstuniversität in Linz, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seine Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen, beispielsweise in der Bundes-kunsthalle Bonn und dem Kunsthaus Graz gezeigt. Er wurde u.a. mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Lentos Kunstpreis ausgezeichnet. Lukas Marxt lebt und arbeitet in Köln und Brüssel.

 

 

LUKAS MARXT
Captive Horizon

From the very beginning man has been driven by the desire to explore new worlds. After its discovery the urge to control the newly conquered terrain becomes manifest in topographic mapping. Possibilities to illustrate landscape are manifold: maps, ground plans, sketches… But as any way of representation it implies the subjective viewer, maps can never be objective. By developing new measuring techniques our view of the world might seem to be more detailed – but even today, while satellite images navigate us through the streets, measurements like „foot” indicate that the human body is still a unit of measure for its own environment.

Influenced by Land Art, Lukas Marxt focusses on landscape and its perception. The perception and illustration of landscape however is not limited to aesthetic means or to a certain genre, but deals with the symbolic potential of landscape as human habitat. Although, in his films, landscapes appear deserted and hostile and the position and perspective of the viewer are left unclear, man still is the pivotal point.
On view in his first exhibition with the gallery is an artist book recounting the stories of a hermit, who lives secluded in the mountains on the island of Lanzarote. The narrator’s life takes place in several different dimensions that differ from our world in matter of time and space and his stories sound like science fiction to us, but still they resemble our own environment. „What you see is not reality” he tells us at one point. This statement marks as a counterpoint to Lukas Marxt’s works. The video work Captive Horizon depicts scenes of a flight over the island’s rugged landscape. Similar to Geroge Lawrence, who at the beginning of the last century took pictures with the help of a camera mounted to a flying kite, Marxt uses a drone to carry his camera. From bird’s eye view he tries to capture a more comprehensive image of the landscape. However, the viewer’s perspective remains unclear and the image cannot be unraveled. It seems that without man – in the picture and as a viewer – the images remain abstract. Does landscape in the end only become real by us wandering through it? With a literal act of „wanting to grasp something” Marxt takes frottages from the rocky ground. As free standing sculptures in the exhibition space they remind us of the impossibility of an immediate and genuine experience of the space that surrounds us.

Lukas Marxt, (1983 in Schladming, Austria) studied at Kunstuniversität in Linz, at Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig and Kunsthochschule für Medien Cologne. His works were exhibited in various solo and group exhibitions, at such institutions as Bundeskunsthalle Bonn and Kunsthaus Graz. He has been awarded, among others, the scholarship of the federal state of Northrine Westphalia and the Lentos Art Award. Lukas Marxt lives and works in Cologne and Brussels.