THOMAS DOZOL

I wish I could remember this moment always

18 September – 25 October 2014

Opening: 14 September, 5 – 7 pm

Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014

 

Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014
Installation view, SCHMIDT & HANDRUP Berlin, 2014

 

THOMAS DOZOL

I wish I could remember this moment always

Text: Daniel Schreiber
(please scroll down for english version)

Wenn man in Zeiten lebt, in denen sich vieles verändert, lässt sich meistens nur sehr schwer sagen, was es ist, was sich da verändert. Und noch schwerer ist es auszumachen, auf welche Weise das geschieht. Man weiß plötzlich nur, dass etwas anders ist. Man weiß, dass auf den Gesichtern der Freunde und Bekannten andere Ausdrücke zu finden sind als noch vor ein paar Jahren. Es fällt einem auf, dass sich bestimmte Dinge neu anfühlen, dass sie sich leicht verschieben und unvertraute Stimmungen auslösen. Und irgendwann wacht man auf und bemerkt, dass die Welt tatsächlich ein bisschen anders aussieht als früher.

Thomas Dozol, Jahrgang 1975, hat ein untrügliches Gespür für diese Art von Veränderungen. Die Arbeiten des Franzosen, der seit vielen Jahren in New York lebt und arbeitet, sind Dokumente unmerklicher zwischenmenschlicher Strömungen, Strömungen von Ideen, die so lange sanft nachhallen, bis sie Wirklichkeit werden. In „I like you better with static noise“, seinen auf eigenen Fotos beruhenden Siebdruckarbeiten, schienen sich menschliche Körper in elegante, fragmentierte Hüllen aufzulösen. Über den Arbeiten schwebte die Frage, was in einer Zeit, in der mehr und mehr von unserem Leben digitalisiert wird, mit unseren Körpern passiert. In „I’ll be your mirror“, einer Serie fotografischer Porträts bekannter und unbekannter New Yorker, fing er Momente großer Intimität und roher Schönheit ein, die in ihrer Intensität an Fotos von Peter Hujar, Mark Morrisroe oder Nan Goldin erinnerten. Und gleichzeitig schien jedes dieser Fotos selbstreflexiv darauf hinzuweisen, wie unsere privaten und öffentlichen Identitäten heute mehr und mehr ineinander verschwimmen – in einer Welt, in der soziale Medien und ubiquitäre Fototechnologien dafür sorgen, dass nichts bedeutsamer scheint, als das Bild, das von uns existiert.

Bei „I wish I could remember this moment always“, seinem neuesten Projekt, handelt es sich um eine klassische Serie von mittlerweile 44 grafisch bearbeiteter, subjektiver Porträtfotos im traditionellen Hasselblad-Format. Schmidt & Handrup zeigt eine Auswahl von 14 dieser Arbeiten. Mit großer Gelassenheit und frei von intellektuellen Posen wirft das Projekt die Frage auf, was mit unserer Auffassung von Freundschaft, persönlichen Beziehungen und Intimität geschieht, wenn unser soziales Leben mehr und mehr von Netzwerken und mediatisierten Gemeinschaften strukturiert wird.

Dozol verbindet dafür eine Reihe künstlerischer Ansätze. In seinen Porträtfotos tritt jene ganz eigene, berührende Sensibilität zutage, die man auch aus früheren Arbeiten kennt. Seine Modelle fotografierte er nur bei Tageslicht in seinem Studio, er gab ihnen kaum Anweisungen, vielmehr unterhielt er sich einfach mit ihnen. Die Qualität dieser so entstandenen Arbeiten ist außergewöhnlich.

Darüber hinaus unterwirft er diese Bilder Bearbeitungsstrategien, wie sie in der Appropriation Art auf gefundene Bilder angewendet werden. Mithilfe von Siebdrucktechniken versieht er jede Arbeit mit abstrakten grafischen Emblemen, die eine für den Betrachter nicht einsehbare Beziehung zu den Porträtierten führen. Mal schwarz, mal weiß, mal pastellfarben, mal opak, mal transparent, wirken sie wie Logos mit einem geometrischen bestimmten Vokabular. Logos, die über jede ästhetische Dimension hinaus auch daran erinnern, wie sehr wir im digitalen Leben dazu tendieren, ganz selbstverständlich auch bestimmte Marken aus uns zu machen.

Und schließlich verfolgt die Serie einen rigorosen konzeptuellen Ansatz. Für „I wish I could remember this moment always“, fotografierte Dozol lediglich Menschen, die er kannte. Einige von ihnen gut, andere weniger gut. Die einzige Bedingung zur Aufnahme in das Projekt war, dass er die Porträtierten auf einfache Weise kontaktieren konnte: Entweder über Facebook, Email oder das Telefon. Um den Anstieg von Bildern nackter und halbnackter Körper zu reflektieren, zu dem es in den vergangenen Jahren durch den erleichterten Zugang zu Bildproduktions- und Verbreitungstechnologien kam, fragte er jedes seiner Modelle, ob sie bereit waren, sich nackt fotografieren zu lassen. Ein Drittel von ihnen stimmte zu. Und schließlich musste er mindestens eine Stunde mit seinen Modellen in seinem Ateliers verbringen wollen. Das Begehren musste nicht notwendigerweise sexuell sein. Es genügte, dass er das Bedürfnis verspürte, mit ihnen in Kontakt zu treten, um sie besser kennenzulernen.

Diese konzeptuelle Ebene macht die Serie zu einem sehr persönlichen Projekt. Hinter den Initialen der Bildtitel verbergen sich die Namen sich Personen aus unterschiedlichen Kreisen der kreativen Szene New Yorks. Maler und Modedesigner sind darunter, Journalisten und Besitzer eklektischer Boutiquen, Schauspieler, Autoren, Restaurantbesitzer, Grafikdesigner, Galeristen und Kuratoren. Der gemeinsame Fixpunkt dieser Menschen und das Zentrum dieser Serie ist Dozol selbst. In gewisser Hinsicht kann man dieses Projekt als ein Selbstporträt des Künstlers lesen, als ein Selbstporträt, das ganz und gar im Jetzt verortet ist.

 

THOMAS DOZOL

I wish I could remember this moment always

Text: Daniel Schreiber
Translation: Marcus Kleinfeld

If one happens to live in an age in which many things are shifting, it can often be hard to tell what exactly it is that is changing. And it is even more difficult to identify in which way this change is coming about. The only thing that suddenly becomes apparent is that something has changed after all. One acknowledges different expressions in the faces of friends and acquaintances than were present only a few years ago. One notices that certain things feel different and new; that they shift easily and cause unfamiliar feelings. And at some point one wakes up and realises that the world does in fact look a little bit different than before.

Thomas Dozol, who was born in 1975, has an unfailing instinct for those sorts of changes. The works of the Frenchman, who has been living and working in New York for many years by now, are documents of imperceptible personal undercurrents; currents of ideas that keep on softly resounding until they become reality. In his silkscreen works ‘I like you better with static noise’, which he based on his own photographs, human bodies appeared to be dissolving into elegant and fragmented skins. Beyond the works hovers the question of what happens to our bodies in times in which more and more of our lives are being digitalised.
In ‘I’ll be your mirror’, a series of photographic prints of portraits taken of famous as well as of unknown New York residents, he captured moments of great intimacy and raw beauty reminiscent of the photographs of Peter Hujar, Mark Morrisroe or Nan Goldin. And at the same time each of these photographs seemed to be self-referentially pointing towards how our private and public identities are increasingly merging into one another nowadays – in a world in which social media and ubiquitous digital technologies have created a situation in which nothing seems more important than the image that exists of ourselves.

His most recent project ‘I wish I could remember this moment always’ has in the meantime grown to a classical series of 44 graphically enhanced and subjective portrait photographs in the traditional Hasselblad format. Schmidt&Handrup are showing a selection of 14 of those works. With an attitude of great repose and free from intellectual posing the project throws up the questions of what happens to our ideas of friendship, of personal relations and intimacy, when our social life is increasingly being structured by networks and mediated communities.

For this, Dozol is connecting a number of artistic approaches. The particular, unique and moving sensibility present in his earlier works is also showing here in his portraits. He photographed his models only by daylight in his studio, hardly giving them any instructions but simply talking to them instead. The quality of the resulting works is remarkable.

Furthermore Dozol is subjecting those pictures to the kind of editing strategies that are being applied to found footage in appropriation art. By help of silkscreen techniques he is marking each work with abstract graphic emblems that carry a relation to the sitters not discernible by the viewer.
Sometimes black, sometimes white, sometimes opaque, sometimes transparent, they appear like logos with a geometrical, specific vocabulary.
They are logos that remind us beyond any aesthetic dimension also of the way in which we tend to naturally transform ourselves into certain specific brands in our digital lives.

And ultimately the series is following a rigorously conceptual approach. For ‘I wish I could remember this moment always’ Dozol photographed only people he knew. Some of them he knew well, others less well. The sole condition for being included in the project was that it be easy for him to contact the sitters: either through Facebook, by email or by telephone. To reflect the rise of images of nude and semi-nude bodies caused by the increased access to image-production and image-distribution technologies, he asked every one of his models if they would be prepared to be photographed naked. A third of them agreed. And ultimately he had to be happy to spend at least an hour with his models in his studio. The desire did not necessarily have to be sexual. It was sufficient that he felt the urge to come into contact with them to get to know them better.

This conceptual level makes the series a very personal project. Behind the initials of the image titles are the names of people from various circles of New York’s creative scene. Painters and fashion designers are amongst them; writers, restaurant owners, graphic designers, gallerists and curators. The shared focal point of those people and the centre of this series is Dozol himself. In some ways one can read this project as a self-portrait of the artist; as a self-portrait that is fully and completely rooted in the here and now.

 

CARSTEN FOCK

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU SEE
with Sinta Tantra

Kristin Hjellegjerde, London, 4 – 27 July 2014

FEUER FREI
with Frauke Boggasch

Cruise&Callas, Berlin, 28 June – 18 July 2014

TIMO SEBER

has been granted the Columbus Fellowship for Contemporary Art
by Columbus Art Foundation and ADKV (Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Kunstvereine)
The price includes 30.000 Euros funds, a publication and a solo exhibition at GAK Bremen

MARCUS KLEINFELD

TRUTH BE TOLD
with Eli Cortinas

Totale, Maschinenhaus Essen, 10 – 18 May 2014

CARSTEN FOCK

TOWERS OF THE VIRGIN

Jochen Hempel, Berlin, 2 May – 7 June 2014

MARCUS KLEINFELD

PLEASURES
curated by Jonas Schenk

MGW, Cologne, 17 April – 30 April 2014

NATHAN PETER

AND/AND
with Cecile Bendixen, Olaf Holzapfel, Ingo Mittelstaedt, Elisa Strozyk

Another Space, Kopenhagen, 21 March – 25 April 2014

MARCUS KLEINFELD

A ROSE IS NOT A ROSE

Centrale for Contemporary Art, Brussels, 13 March – 12 April 2014

CARSTEN FOCK

HERZ DER FINSTERNIS, VERHUDELT
Henrik Schrat und Gäste

Kunstsammlung Jena, 22 March – 17 August 2014

BEYOND THE PROCESS

Sammlung Lenikus, Kunstraum Innsbruck, 29 March – 24 May 2014

GIVE US THE FUTURE

Neuer Berliner Kunstverein, Berlin, 1 March – 20 April 2014